Ratgeber
Initiativbewerbung: wie Sie sie schreiben und an wen Sie sie schicken
Mit einer Initiativbewerbung bewerben Sie sich bei einer Firma, die keine passende Stelle ausgeschrieben hat. Sie lohnt sich vor allem bei Firmen, die gerade in Ihrem Bereich einstellen, und mit einem kurzen Anschreiben, das gleich im ersten Satz sagt, welche Aufgabe Sie übernehmen können.
Was eine Initiativbewerbung ist
Mit einer Initiativbewerbung bewerben Sie sich bei einer Firma, ohne auf eine Stellenanzeige zu antworten. Die Bundesagentur für Arbeit beschreibt sie als Bewerbung auf nicht ausgeschriebene Positionen und nennt sie auch Blindbewerbung (Bundesagentur für Arbeit (öffnet in einem neuen Tab)). Sie schlagen der Firma also selbst vor, welche Aufgabe Sie übernehmen können.
Der Gedanke dahinter: Nicht jede offene Stelle wird ausgeschrieben, und manche Stelle entsteht erst, wenn der passende Mensch anklopft. Die Bundesagentur weist darauf hin, dass viele Firmen, besonders größere, Fachkräfte suchen, ohne dass es dafür eine bestimmte Stelle gibt (Bundesagentur für Arbeit (öffnet in einem neuen Tab)). Wer sich meldet, bevor die Anzeige erscheint, konkurriert mit weniger Bewerbungen.
Die Kehrseite: Niemand wartet auf Ihre Nachricht. Eine Initiativbewerbung muss deshalb schneller auf den Punkt kommen als eine Bewerbung auf eine Anzeige und einen klaren Grund liefern, Ihnen zu antworten.
Wann sie sich lohnt
Am meisten Aussicht hat eine Initiativbewerbung bei Firmen, die gerade in Ihrem Bereich einstellen. Wer in den letzten Wochen mehrere Stellen im Vertrieb, im Controlling oder in der Softwareentwicklung ausgeschrieben hat, wächst in diesem Bereich, hat ein Budget und eine Führungskraft, die gerade Bewerbungen liest. Oft gibt es dort weitere Aufgaben, die noch nicht als Anzeige formuliert sind.
Weniger Aussicht hat die Bewerbung bei einer Firma, die seit Monaten nichts ausgeschrieben hat, oder bei der bekanntesten Marke Ihrer Branche, die ohnehin mehr Bewerbungen bekommt, als sie lesen kann. Wählen Sie Ihre Empfänger danach aus, wer jetzt einstellt, nicht danach, wen Sie kennen.
Welche Firmen das gerade sind, zählen wir jede Stunde in den Stellenanzeigen, die wir lesen: auf den Karriereseiten der Firmen und in Jobbörsen.
Firmen, die gerade in Deutschland einstellen
255 Firmen haben in den letzten 14 Tagen mindestens 3 neue Stellen ausgeschrieben und haben noch offene. In Berlin sind es 111. In München sind es 87. In Hamburg sind es 50.
- BoschBerlin
- GoldbeckHamburg
- ZEISSBerlin
- CarrierBerlin
- HunkemollerMünchen
- SecuritasBerlin
- Auto1Berlin
- SixtOffene Stellen in diesem Bereich in Berlin
- Deutsche BankBerlin
- ABBBerlin
Gezählt in den aktuellen Anzeigen, die wir verfolgen, Stand 2. Oktober.
Eine Firma, die viele Stellen ausschreibt, hat nicht automatisch eine Stelle für Sie. Lesen Sie die aktuellen Anzeigen der Firma trotzdem genau: Sie zeigen, welche Teams wachsen, welche Kenntnisse gefragt sind und welche Wörter die Firma selbst benutzt. Genau diese Informationen gehören in Ihr Anschreiben.
Anschreiben in vier Absätzen
Das Anschreiben einer Initiativbewerbung ist kurz: möglichst nicht mehr als eine Seite, wie jedes Anschreiben (Bundesagentur für Arbeit (öffnet in einem neuen Tab)), per E-Mail oft deutlich weniger. Diese Gliederung hat sich bewährt:
- Warum diese Firma. Ein konkreter Anlass: neue Stellen in Ihrem Bereich, ein neuer Standort, ein Produkt. Kein allgemeines Lob.
- Was Sie anbieten. Die Aufgabe oder Position, die Sie übernehmen können, in einem Satz.
- Der Beleg. Ein oder zwei Erfolge aus Ihrer bisherigen Arbeit, mit Ergebnis.
- Der nächste Schritt. Ein Vorschlag, etwa ein kurzes Telefonat in den nächsten Wochen.
Der erste Satz entscheidet, ob weitergelesen wird. „Hiermit bewerbe ich mich initiativ“ verschenkt ihn. Besser beginnt der Text mit dem Anlass und verbindet ihn mit Ihnen, zum Beispiel so: „Sie haben in diesem Monat drei Stellen im Vertrieb in München ausgeschrieben. Ich betreue seit sechs Jahren mittelständische Kunden in Bayern und kann ein Gebiet übernehmen.“
Gehaltsvorstellung und frühester Eintrittstermin gehören nur dann ins Anschreiben, wenn die Firma auf ihrer Karriereseite danach fragt. Bei einer Initiativbewerbung gibt es noch keine Stelle, über deren Gehalt man sprechen könnte; das Thema kommt im ersten Gespräch. Schreiben Sie am Schluss lieber, ab wann Sie verfügbar sind, wenn das ein Vorteil ist, etwa weil Sie sofort anfangen können.
Lassen Sie die Firma im Text vorkommen, nicht nur sich selbst. Ein Anschreiben, in dem jeder Satz mit „ich“ beginnt, liest sich wie ein Rundschreiben. Nennen Sie das Team, das Produkt oder die Region, um die es Ihnen geht, und erklären Sie, was die Firma davon hat, Sie kennenzulernen.
Der Betreff einer E-Mail sagt dasselbe in Kurzform: „Initiativbewerbung als Vertriebsmitarbeiterin, Region Bayern“ statt nur „Bewerbung“.
Ein Beispiel
So sieht eine Initiativbewerbung per E-Mail aus, vom Betreff bis zur Signatur, nach der Gliederung in vier Absätzen. Das Beispiel ist erfunden: Firma, Ansprechpartner und Bewerberin gibt es nicht. Übernehmen Sie den Aufbau und ersetzen Sie jeden Satz durch Tatsachen über sich und die Firma, an die Sie schreiben.
Betreff: Initiativbewerbung als Vertriebsmitarbeiterin im Außendienst, Region Bayern
Sehr geehrter Herr Wagner,
Sie haben in diesem Monat drei Stellen im Vertrieb in München ausgeschrieben und eröffnen im Frühjahr einen Standort in Augsburg. Ich betreue seit sechs Jahren mittelständische Kunden in Bayern und biete Ihnen an, ein Vertriebsgebiet rund um den neuen Standort aufzubauen.
Ich kann die Neukundengewinnung im Raum Augsburg übernehmen: Termine vereinbaren, Angebote erstellen und die Kunden nach dem Abschluss weiter betreuen.
In meiner jetzigen Stelle habe ich ein Gebiet übernommen, das zwei Jahre lang unbesetzt war. Heute stammt ein Fünftel des Umsatzes unseres Teams aus diesem Gebiet, und ich habe dort mehr als dreißig Neukunden gewonnen.
Gern stelle ich mich Ihnen in einem kurzen Telefonat vor, wann es Ihnen passt. Meinen Lebenslauf finden Sie im Anhang; Zeugnisse sende ich Ihnen auf Wunsch.
Mit freundlichen Grüßen
Laura Hoffmann
Regensburg · E-Mail-Adresse · Telefonnummer · Profil in einem Karrierenetzwerk
Jeder Absatz hat eine Aufgabe, und der erste spricht über die Firma, nicht über die Bewerberin. Die Zahlen im dritten Absatz sind solche, nach denen im Gespräch gefragt werden kann: Nennen Sie nur Ergebnisse, die Sie belegen können.
Lebenslauf und Anlagen
Für eine Initiativbewerbung genügt meist eine Kurzbewerbung: Anschreiben und tabellarischer Lebenslauf, beides als PDF. Zeugnisse und Zertifikate bieten Sie an, statt sie gleich mitzuschicken. Wer gleich ein komplettes Dossier anhängt, macht es dem Empfänger schwerer, nicht leichter.
Der Lebenslauf sollte zur angebotenen Aufgabe passen: Stellen Sie die Stationen und Erfolge nach vorne, die dazu passen, und kürzen Sie, was nichts damit zu tun hat. Persönliche Angaben wie Foto, Geburtsdatum oder Familienstand sind freiwillig. Das AGG soll Benachteiligungen unter anderem wegen Alter, Geschlecht oder Herkunft verhindern (Bundesministerium der Justiz (öffnet in einem neuen Tab)), und die Antidiskriminierungsstelle des Bundes rät Arbeitgebern, nicht nach Fotos oder Alter zu fragen (Antidiskriminierungsstelle des Bundes (öffnet in einem neuen Tab)).
Prüfen Sie vor dem Versand, ob ein Bewerbermanagementsystem Ihren Lebenslauf richtig lesen kann. Viele Firmen legen auch Initiativbewerbungen in solchen Systemen ab, und was dort nicht ankommt, sieht später niemand. Der kostenlose Lebenslauf-Check zeigt Ihnen, welchen Text ein System aus Ihrer Datei zieht.
Per E-Mail oder über das Karriereportal
Viele Firmen haben auf ihrer Karriereseite einen Weg für Initiativbewerbungen, oft ein Formular oder eine eigene Ausschreibung mit dem Titel „Initiativbewerbung“. Die Bundesagentur für Arbeit rät, sich dort zu informieren, welchen Umfang eine Initiativbewerbung haben soll und wie das Verfahren abläuft; zum Teil gibt es eigene Formulare, zum Teil genügt eine Kurzbewerbung (Bundesagentur für Arbeit (öffnet in einem neuen Tab)). Nutzen Sie diesen Weg, denn so landet Ihre Bewerbung dort, wo die Personalabteilung sucht, wenn eine Stelle frei wird.
Zusätzlich lohnt eine E-Mail an eine konkrete Person: die Leitung des Teams, für das Sie arbeiten möchten, oder in kleineren Firmen die Geschäftsführung. Den Namen finden Sie auf der Website der Firma, in Pressemitteilungen oder in beruflichen Netzwerken. Ein kurzer Anruf vorab klärt, wer zuständig ist und was die Firma sich wünscht.
Eine Sammelmail an viele Firmen mit sichtbaren Empfängern oder einem Anschreiben ohne Namen der Firma schadet mehr, als sie nützt. Schreiben Sie lieber jede Woche wenigen, gut ausgewählten Firmen als einmal allen.
Nachfassen
Bleibt eine Antwort aus, ist eine Nachfrage üblich und zeigt Interesse. Warten Sie etwa zwei Wochen, dann schreiben Sie eine kurze E-Mail oder rufen an. Die Nachfrage hat zwei oder drei Sätze: der Bezug auf Ihre Bewerbung, eine neue Information, wenn es eine gibt, und die Frage, ob ein kurzes Gespräch möglich ist.
Fassen Sie einmal nach, nicht öfter. Kommt dann keine Antwort, legen Sie die Firma beiseite und melden sich wieder, wenn sie neue Stellen in Ihrem Bereich ausschreibt. Ein Anlass wie „Sie suchen gerade drei neue Mitarbeitende im Controlling“ ist ein besserer Grund für eine zweite Nachricht als die Frage, ob Ihre erste angekommen ist.
Notieren Sie jede Bewerbung: Firma, Ansprechperson, Datum, Datum der Nachfrage, Antwort. Bei Initiativbewerbungen verlieren Sie sonst schnell den Überblick, an wen Sie schon geschrieben haben.
Schicken Sie Ihre Bewerbung dorthin, wo gerade eingestellt wird
Kostenloses Konto. Sie folgen Firmen und bekommen deren neue Stellen per E-Mail.
Geprüft von Dimitris Rizoglou, owner am 2. Oktober 2026.
Quellen
Nur amtliche Seiten. Die Zahlen in den grünen Kästen stammen aus den Stellenanzeigen, die CVtly jede Stunde liest.
- Bundesagentur für ArbeitJob finden (öffnet in einem neuen Tab)
- Bundesagentur für ArbeitBewerbung schreiben (öffnet in einem neuen Tab)
- Bundesministerium der JustizAllgemeines Gleichbehandlungsgesetz, § 1 Ziel des Gesetzes (öffnet in einem neuen Tab)
- Antidiskriminierungsstelle des BundesWie wird eine Stellenausschreibung neutral formuliert? (öffnet in einem neuen Tab)